Gruppenarbeit

Aus Widawiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Historische Einordnung der Methode „Gruppenarbeit“

Der Begriff der Gruppenarbeit bzw. des Gruppenunterrichts wurde zuerst geprägt von Johann Friedrich Herbart (1776-1841). Der ihr zu Grunde liegende Gedanke ist jedoch schon wesentlich älter. Zu Zeiten der Reformationsschulen und Landschulen wurde das damals „Helfersystem“ genannte Prinzip schon verwandt, eine empirische und theoretische Erforschung fand jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt (vgl. Meyer, S. 238). „Das Auftauchen von Gruppen im Zusammenhang mit Erziehung hängt eng mit dem Auftauchen von „Jugend“ als einer selbständigen, das heißt mit besonderen Rollen und Funktionen ausgestatteten sozialen Gruppe innerhalb unserer Industriegesellschaft zusammen“ (Büttner, S. 207). Die Gruppenarbeit ist eine Form des kooperativen Lernens, zu dem auch Partner- und Kleingruppenarbeit zu zählen sind. Hierbei bietet sich die Gruppenarbeit vornehmlich für Aufgaben an, bei denen mehrere Lösungsmöglichkeiten durch Diskussion und Kompromiss erreicht werden können (vgl. Dubs, S. 287ff.).


Definition und Kurzbeschreibung der Methode

„Gruppenunterricht ist eine Sozialform des Unterrichts, bei der durch die zeitlich begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere Abteilungen arbeitsfähige Kleingruppen entstehen, die gemeinsam an der von der Lehrerin gestellten oder selbst erarbeiteten Themenstellung arbeiten und deren Arbeitsergebnisse in späteren Unterrichtsphasen für den Klassenverband nutzbar gemacht werden können. Gruppenarbeit ist die in dieser Sozialform von den Schülerinnen und der Lehrerin geleistete zielgerichtete Arbeit, soziale Interaktion und sprachliche Verständigung“ (Meyer, S. 242). Wiater nennt weiterhin folgende Merkmale des Lernens in der Gruppenarbeit: miteinander interagieren, dauerhafte Kommunikation, gemeinsame Ziele, Bestand an akzeptierten Normen, soziale Rollen ausdifferenzieren, Arbeitsorganisation aufweisen (vgl. Wiater, S. 230f.). Die Gruppenarbeit kann an allen Lernorten eingesetzt und für unterschiedliche Lernziele genutzt werden. Wir unterscheiden im Aufbau die Phasen der Vorbereitung, der Durchführung und der Nachbereitung (vgl. www.sowi-online.de, Landesinstitut für Schule).


Ablauf / Durchführung der Methode

Je nach Umfang des Arbeitsauftrages werden für die Gruppenarbeit bis zu zwei Unterrichtsstunden veranschlagt. Zunächst müssen die Gruppen nach Zufall, Interesse, Leistung oder Sympathie bestimmt werden, wobei die jeweils geplanten Aufgabenstellungen meist das Auswahlkriterium bilden. Vor der eigentlichen Gruppenarbeit werden im Plenum zunächst noch der Zeitansatz und die Arbeitsaufträge bekannt gegeben, ggf. Materialien verteilt. Dann tritt die Lehrperson für die Dauer der Gruppenarbeitsphase als beobachtende Person in den Hintergrund und gibt lediglich Hilfestellungen. In den Gruppen sollten zuerst die Funktionen der einzelnen Gruppenmitglieder festgelegt werden, bevor der Arbeitsauftrag diskutiert wird. „Die Festlegung der Funktionen (Rollen) vermindert Unsicherheiten und schafft Transparenz“ (www.sowi-online.de, Landesinstitut für Schule). In der Erarbeitungsphase sammeln die Gruppenmitglieder dann zielgerichtet Informationen, tragen diese zusammen und bereiten sie aufgabengerecht auf. Entsprechend des Arbeitsauftrages entscheidet die Gruppe über Medieneinsatz (Tafel, OHP, Powerpoint-Präsentation, ...) und sonstige Besonderheiten die Vermittlung ihrer Ergebnisse betreffend. Im Anschluss an die Gruppenarbeit, der Nachbereitungsphase, werden dann die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen im Klassenverband präsentiert und festgehalten, um die Inhaltssicherung in der gesamten Klasse zu gewährleisten. Hierbei können auch die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und bewertet werden (vgl. Wiater, S. 232). Eine andere Möglichkeit der Inhaltsvermittlung ist es, neue Gruppen zu bilden, in denen jeweils ein Mitglied der alten Gruppen seine Ergebnisse präsentiert. So werden in jeder Gruppe die Ergebnisse aller Gruppen intensiv besprochen (Jigsaw-Methode). Der nachstehende Katalog soll Lehrkräfte dazu anhalten, einmal vom `Schema F´ abzuweichen und andere Möglichkeiten der Präsentation von Gruppenarbeitsergebnissen zu berücksichtigen.

Zur Beachtung:

Ergebnisse von Arbeitsgruppen können im Unterricht ....

als Ganzes / in Teilen

als Texte / als Zahlen / als Bilder / graphische Darstellungen, Skizzen, Zeichnungen / als sonstige Produktionen

mit identischem / mit unterschiedlichem Informationsgehalt

durch die Lehrkraft / durch technische Mittel

von einzelnen / von mehreren / von allen

von freiwilligen / bestimmten / ausgewählten Gruppenmitgliedern

in strukturierter / in unstrukturierter Form

nacheinander / abwechselnd / parallel

für das Auge / für das Ohr / für Auge und Ohr

an der Tafel / auf Folien(abschnitten) / auf Großbögen / auf Kopiervorlagen / auf dem Bildschirm / auf der Leinwand / ohne Hilfsmittel

zur weiteren Bearbeitung in Form von ...

Lesen / Betrachten / Ablesen / Vortragen / Beschreiben / Vergleichen / Ordnen / Kontrollieren / Anwenden / Beurteilen

durch Mitschüler / durch die Lehrkraft / durch Lehrer und Schüler / durch Externe

in der Schule / als Hausaufgabe / auf Exkursionen

freiwillig / angewiesen

dargeboten werden.

Hans-Dietrich Zeuschner, Quelle: www.kfztech.de , meine Seiten

Lernziele und Kompetenzen (Didaktische Funktion)

„Gruppenunterricht ist geeignet, die Schülerinnen durch einen didaktisch begründeten Wechsel der Handlungsmuster und der Symbolisierungsformen zum selbständigen Denken, Fühlen und Handeln zu ermutigen“ (Meyer, S. 245).

Die Lernenden sollen:

  • sich aktiv am Unterrichtsprozess beteiligen, sich ohne Scheu äußern
  • ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe entwickeln und festigen
  • relativ selbständig planen, arbeiten, sichern
  • Lernumwege und Seitenpfade betreten, kreativ und neugierig sein
  • ihre Methodenkompetenz erweitern
  • solidarisch handeln können um zu einem Ergebnis zu gelangen
  • ein neues Rollenverständnis entwickeln
  • lernen, Selbstkritik zu üben und ihre Kommunikationskompetenz steigern

(vgl. Meyer, S. 248f.)

Vor- und Nachteile der Methode

Vorteile der Gruppenarbeit sind die kooperative, freie und kreativ-produktive Selbsttätigkeit von Schülern in Gruppen, die Möglichkeit, das Sozialverhalten (Kooperation, Toleranz, Regeleinhaltung, kommunikative Kompetenz, Sympathie, usw.) der Schüler zu fördern, sowie die Berücksichtigung der Unterschiede beim Lern- und Arbeitsstil der Schüler. Der Lehrer kann hierbei die SchülerInnen in Ruhe beobachten und für ihn/sie wichtige Rückschlüsse über sozialen Hintergrund, Lernstärken und –schwächen und Besonderheiten des Lerners ziehen. So kann er evtl. vorher nicht erkannte Fähigkeiten erkennen und fördern. Nachteile sind, dass teilweise soziale Lernziele ins Gegenteil verkehrt, Vorurteile, Abgrenzungen, Ausgrenzungen und ähnliches in der Gruppe verstärkt werden und dass die Rollenverteilung zur einseitigen Übernahme von „Lieblingsfunktionen“ führen kann. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass sich nicht jede Aufgabenstellung für die Gruppenarbeit eignet. Auch die Integration der Teilergebnisse der einzelnen Gruppen zu einem Gesamtergebnis gelingt nicht immer. Meist ist der Anteil der Gruppenarbeit am erteilten Unterricht relativ gering, da diese Sozialform ein hohes Maß an Vorbereitung und Zeit erfordert (vgl. Wiater, S. 231; Meyer, S. 245-252; www.kfztech.de, Zeuschner).


Exemplarische Umsetzung im Wirtschaftslehreunterricht

Exemplarisch könnten die Schüler die Wege eines Erdbeerjoghurts und seiner Inhaltsstoffe in Kleingruppen erarbeiten. Eine Gruppe erforscht die Wege des eigentlichen Joghurts, eine weitere die des Joghurtbechers und eine dritte die Strecke der Umverpackungen. Weiterhin könnten spezifische Fragen zu Ökonomie und Ökologie das Thema volkswirtschaftlich einordnen. Die Ergebnisse würden dann im Plenum präsentiert und darauf aufbauend die gesamte Wegstrecke eines Joghurts konstruiert werden. Diese Aufgabenstellung unter umweltpolitischen Gesichtspunkten hilft den SchülerInnen, sich ihrer Rolle als Konsumenten in einer Marktwirtschaft bewusst zu werden.


Literaturverzeichnis

Büttner, Christian (1995). „Gruppenarbeit: eine psychoanalytisch-pädagogische Einführung“. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz

Dubs, Rolf (1995). „Lehrerverhalten. Ein Beitrag zur Interaktion von Lehrenden und Lernenden im Unterricht“. Verlag des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes, Zürich

Landesinstitut für Schule, Soest. Gruppenarbeit. 20.07.2005. http://www.sowi-online.de/methoden/lexikon/gruppenarbeit.htm (23.11.2005)

Meyer, Hilbert (1989). „Unterrichtsmethoden, II: Praxisband“. Cornelsen Verlag Scriptor, Frankfurt am Main

Wiater, Werner (1993). „Unterrichten und lernen in der Schule: eine Einführung in die Didaktik“. Verlag Ludwig Auer, Donauwörth

Zeuschner, Hans Dietrich. Gruppenarbeit-Arbeit in Gruppen. 05.10.2005. http://www.kfztech.de/gast/zeuschner/gruppenarbeit.htm (23.11.2005)

Persönliche Werkzeuge
Info

WidaWiki startete am 15. November 2005.


Aktuell 163 Artikel (Stand: 2011-12-13)