Kommunikationsquadrat

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Das Kommunikationsquadrat, auch „Vier-Ohren-Modell“ oder „Nachrichtenquadrat“ genannt, wurde von Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun im Bereich der Kommunikationspsychologie entwickelt. [1] Mithilfe des Kommunikationsquadrats soll versucht werden, die verschiedenen Facetten und Ebenen einer Kommunikation zwischen Individuen zu analysieren. Ein Individuum, hier als Sender bezeichnet, hat die Absicht, einer zweiten Person, dem Empfänger, etwas mitzuteilen. Die Äußerung des Senders wird als Nachricht bezeichnet und muss vom Empfänger entschlüsselt werden. Nach Schulz von Thun enthält eine Nachricht mehrere Botschaften, die über vier Seiten innerhalb des Kommunikationsquadrats übermittelt werden: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 25-30)

Entstehungsgeschichte

Schulz von Thun, bis 2009 an der Universität zu Hamburg als Professor für Schulpsychologie tätig, entwickelte eigenen Angaben nach das Kommunikationsquadrat, zunächst Nachrichtenquadrat genannt, von 1974 bis 1977 in Kursen für das Öl- und Energieunternehmen British Petrol (BP) für einen Einführungsvortrag über Kommunikation. [2] Hierbei wird deutlich, dass das Kommunikationsquadrat nicht (nur) im Schulbereich, entsprechend der Professorentätigkeit von Schulz von Thun, seine Anwendung findet, sondern sozusagen zunächst für die Wirtschaft beziehungsweise in der Wirtschaft entstanden ist. Als wissenschaftliche Basis sind die Überlegungen nach Prof. Dr. Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler und Autor zahlreicher Veröffentlichungen in der Kommunikationstheorie [3], zu nennen. Watzlawick benannte das Vorhandensein mehrerer Seiten bei einem Kommunikationsakt mit dem Begriff Axiom (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 13), wonach „jede Kommunikation [...] einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt [hat].“ (Watzlawick et al., 1969, S. 56) Überträgt man das Modell von Schulz von Thun auf jenes von Watzlawick, so decken sich Inhaltsaspekt und Sachinhalt. Der Beziehungsaspekt gliedert sich jedoch bei Schulz von Thun in Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell auf. (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 30)

Die vier Seiten einer Nachricht

Wie bereits beschrieben übermittelt ein Sender eine Nachricht, die vom Empfänger entschlüsselt und verstanden werden muss. Eine gelungene Kommunikation kann dann stattfinden, wenn gesendete und empfangene Nachricht übereinstimmen. Der Sender kann durch die Rückmeldung des Empfängers (sogenanntes Feedback) überprüfen, ob eine Nachricht richtig aufgenommen worden ist. (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 25)

  • Über die Komponente des Sachinhalts erhält man die reine, „neutrale“ Sachinformation. Die passende Frage für diese Seite der Nachricht ist: „Worüber informiere ich“? (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 26)
  • Als zweiter Aspekt ist die Selbstoffenbarung zu nennen. Hierbei werden Informationen über den Sender als Person übermittelt. Der Sender gibt etwas, vielleicht sogar unbeabsichtigt, von sich preis („Selbstenthüllung“, „Selbstdarstellung“). Die adäquate Frage für diese Seite der Nachricht ist: „Was gebe ich von mir selbst preis?“ (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 26-27)
  • Die Beziehungskomponente deckt das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger ab. Oftmals lässt sich diese Seite der Nachricht nicht aus dem reinen Wortlaut an sich entschlüsseln, sondern bedarf der Interpretation. Zusätzlich spielt neben der Formulierung auch beispielsweise der Tonfall eine Rolle. Der Aspekt der Beziehung innerhalb der Nachricht ist als eine der bedeutendsten Störgrößen bei der Analyse fehlgelaufener Kommunikation aufzuzählen. Er enthält zum einen die Botschaft, wie der Sender den Empfänger sieht und zum anderen aber auch die Botschaft, wie der Sender die Beziehung zwischen sich selbst und dem Empfänger auffasst. Als Frage zusammen gefasst: „Was halte ich von dir und wie stehen wir zueinander?“ (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 27-29)
  • Die letzte Seite der Nachricht ist die des Appells. Hierbei drückt sich die Motivation des Senders gegenüber dem Empfänger aus. Als Frage formuliert: „Was erwarte ich von Person xy, zu welcher Aktion möchte ich sie beispielsweise bewegen?“ (vgl. Schulz von Thun, 1981, S. 29-30)

Unter Berücksichtigung des Synonyms „Vier-Ohren-Modell“ lässt sich das Kommunikationsquadrat mit folgender Abbildung veranschaulichen:

Datei:Kommunikationsquadrat.jpg

Hierbei stehen die vier farbigen Kreise des Senders für seine vier Münder, über welche über die vier Seiten Botschaften gesprochen werden. Für die vier Ohren des Empfängers gilt die analoge Annahme.

(Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Schulz von Thun, 1981, S. 30)

Bedeutung für die Wirtschaft/ Praxis

Kommunikation kann misslingen. Nach den Worten Watzlawicks kann eine Person „nicht nicht kommunizieren“. (Watzlawick et al., 1969, S. 51) Dieses Zitat fasst die Problematik der Kommunikation zwischen zwei Individuen gut zusammen. Eine Nachricht wird auf verschiedenen Ebenen, über nach Schulz von Thun eben jene vier Seiten, übermittelt. Bei der Interpretation durch den Empfänger können Missinterpretationen dazu führen, dass die Intention des Senders den Empfänger nicht erreicht. Zu dieser Situation kommt es u.a. dadurch, dass Botschaften nicht nur explizit, sondern oftmals auch implizit über sogenannte nicht-sprachliche, non-verbale Kanäle (Stimme, Mimik, Betonung, Aussprache) übertragen werden. (vgl. Schulz von Thun, S. 33) Sprachliche und nicht-sprachliche Komponenten einer Nachricht können entweder kongruent zueinander sein oder auch nicht. Zudem kann man sie auf allen vier Seiten der Nachricht finden. (vgl. Schulz von Thun 1981, S. 35) Sind besagte Komponenten nicht kongruent, weiß der Empfänger oft nicht, wie er reagieren soll. Dem reinen Wortlaut nach kann der Wunsch anders aufgefasst werden, als wenn man dem Tonfall folgt. Durch diese Art des Kommunizierens mit „doppeltem Boden“ legt der Sender sich mit seiner Nachricht nicht fest und kann behaupten, etwas so nicht gesagt zu haben. (vgl. Schulz von Thun 1981, S. 39)

Sich mit der beschriebenen Form der Kommunikation abzusichern, mag zwar dabei helfen, sich aus der Affäre zu ziehen. Gleichzeitig ist es jedoch nicht hilfreich für eine erfolgreiche Kommunikation, der zumeist ja auch Aktionen und Prozesse mit gutem Resultat folgen sollen. Der Empfänger kann sich mithilfe folgender Punkte der Botschaft des Senders versichern:

  • Durch den Kontext, in dem sich zwei Personen befinden,
  • Durch die Art der Formulierung (Übertreibung, Ironie),
  • Durch Körperbewegungen (Mimik, Gestik),
  • Durch den Tonfall. (vgl. Schulz von Thun 1981, S. 36-37)

Falls dem Empfänger diese „Strategie“ nicht weiterhilft, sollte er im Zweifel den Sender nach seiner Intention fragen und ihm somit das Feedback geben, dass seine Nachricht nicht verständlich angekommen ist. Insbesondere beim Austausch zweier Personen mit unterschiedlichen Kulturen kann es zu Verwirrungen kommen. Als Beispiel hierfür sei die Erfahrung der Chinesin Lei Wang in Deutschland genannt, welche in Schulz von Thuns und Kumbiers Buch Interkulturelle Kommunikation zusammengefasst ist: Wang ist in diesem Beispiel bei einer deutschen Freundin zu Besuch und ihr wird Tee angeboten, was sie mit der - so beschriebenen - chinesischen Höflichkeit ablehnt („Nein, danke“). Sie bekommt keinen Tee, wollte aber eine Tasse haben. Ihre eigentliche, versteckte Aussage war: „Ja, aber das ist sehr umständlich für dich“. Die deutsche Freundin hat jedoch lediglich auf die Sachseite reagiert. (vgl. Wang, L., in: Kumbier, Schulz von Thun, S. 190) Hierbei zeigt sich, dass verschiedene Norm- und Wertvorstellungen und damit verbundene Traditionen und Gebräuche in der Kommunikation ebenfalls eine große Rolle spielen und somit auch bei internationalen Geschäftsbeziehungen berücksichtigt werden müssen, um einen Fauxpas zu vermeiden.

Kritik

Obwohl das Modell hilfreich bei der Analyse von Kommunikation ist, kann es bei komplexeren Gesprächssituationen nicht immer von Nutzen sein, da sich die Kommunikation nach diesem Modell lediglich auf zwei Gesprächspartner bezieht. Zusätzlich wird, trotzdem sie eine gewisse Berücksichtigung erfährt, non-verbale Kommunikation nicht hinreichend untersucht. (vgl. Schütze, 2009, S. 37)

Literatur

Anthologie

  • Wang, Lei: Wenn Konfuzius Schulz von Thun trifft. Kommunikationspsychologie aus Sicht einer Chinesin. In: Kumbier, Dagmar, Schulz von Thun, Friedemann (Hg.): Interkulturelle Kommunikation. Methoden, Modelle, Beispiele. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt-Verlag. 2006. S. 187 ff.

Monographien

  • Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen: allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt-Verlag. 1981.
  • Schütze, Jens: Modellierung von Kommunikationsprozessen in KMU-Netzwerken - Grundlagen und Ansätze. Wiesbaden: Gabler. 2009
  • Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation - Formen Störungen Paradoxien. Bern: Verlag Hans Huber. 1969.

Weblinks

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