Komplexe Phänomene
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Definition
Eine Definition für „komplexe Phänomene“ kann so in der Literatur nicht gefunden werden. Nach dem Brockhaus versteht man unter einem Phänomen allgemein ein außergewöhnliches oder unerklärliches Ereignis bzw. Vorkommnis. In unserem heutigen Sprachgebrauch bezeichnen Phänomene eine Ausnahmeerscheinung. Diese Ausnahmeerscheinung nehmen wir mit den Sinnen als ein einziges Ereignis wahr, können es jedoch nicht einordnen, weil es uns unbekannt ist. Das Adjektiv komplex ist im Duden definiert als „vielschichtig; viele, sehr verschiedene Dinge umfassend“ bzw. als „zusammenhängend“ und „allseitig, alles umfassend“. Somit lässt sich sagen, dass es sich bei dem Begriff der komplexen Phänomene um vielschichtige, zusammenhängende Ereignisse bzw. Vorkommnisse handelt, die für uns außergewöhnlich und unerklärlich sind.
Bestimmung komplexer Phänomene
Phänomene sind gekennzeichnet durch das Auftreten einer bestimmten Anzahl von Mustern, die wir wahrnehmen und die uns unbekannt sind. Somit müssen wir zunächst bestimmte Muster erkennen, um etwas überhaupt als Phänomen einordnen zu können. Die meisten Muster werden von uns Menschen wahrgenommen, ohne unseren Verstand überhaupt bewusst zur Hilfe nehmen zu müssen. Dabei sind die Muster so selbstverständlich für uns, dass durch sie keine Fragen veranlasst werden. Nehmen unsere Sinne aber sich wiederholende neue Muster wahr, wundern wir uns und beginnen zu fragen. Die Fähigkeit Muster zu erkennen ist jedoch begrenzt. Es ist uns nur möglich Muster in Phänomenen zu erkennen, wenn wir deren Erfassung in unserer bisherigen Entwicklung gelernt haben. Ist dies nicht der Fall, müssen wir das Muster erst erfinden um es überhaupt in den Phänomenen erkennen zu können. Hierbei handelt es sich um Mustervoraussage. Die individuelle Erscheinungsform eines zu erwartenden Musters ist abhängig von den individuellen Umständen. Die individuellen Umstände umfassen Anfangs- und Randbedingungen, auch Daten bezeichnet. Ob wir nun in der Lage sind, eine Voraussage treffen zu können, hängt davon ab, wie viele dieser Daten wir im Vorhinein ermitteln können (vgl. von Hayek, 1996, S. 282-284).
Grade der Komplexität
Die Voraussagbarkeit einer individuellen Erscheinungsform eines Musters, das unter speziellen Umständen auftreten kann ist abhängig von dem Grad der Komplexität. Ein Kriterium für die Unterscheidung zwischen Einfachheit und Komplexität ist die Mindestanzahl der Elemente eines Musters, „aus der ein Einzelfall des Musters bestehen muss, um sämtliche charakteristischen Eigenschaften der betreffenden Klasse von Mustern aufzuweisen (von Hayek, 1996, S. 285). Das bedeutet, aus je mehr Elementen oder Variablen ein Muster besteht, um in eine bestimmte Klasse von Mustern eingruppiert werden zu können, desto höher ist der Komplexitätsgrad. Es lässt sich festhalten, dass der Komplexitätsgrad von den unbelebten Phänomenen, zu den belebten und gesellschaftlichen Phänomenen zunimmt. Die biologischen, geistigen und gesellschaftlichen Phänomene sind somit komplexer als die physikalischen, die sich durch relativ einfache Formeln beschreiben lassen (vgl. von Hayek, 1996, S. 285-287).
Literaturverzeichnis
- Duden. Das Fremdwörterbuch. (2001). 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag.
- Hayek, F.A.v. (1996). Die Anmaßung von Wissen. Neue Freiburger Studien. Hrsg.: Wolfgang Kerber; Tübingen: Mohr Siebeck.
- Nordmeier, V.; Schlichting, H. (1996). Auf der Suche nach Strukturen komplexer Phänomene. Praxis der Naturwissenschaften Physik, 1/45. Köln: Aulis, S.22 - 29.





