Phillipskurve
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Geschichte und Definition der Phillipskurve
Die originäre Phillipskurve (Patzig, S. 211) wurde im Jahre 1958 in einer empirischen Untersuchung von A. W. PHILLIPS entwickelt und beschrieb den negativen Zusammenhang zwischen Unterbeschäftigung und Änderungsrate des Nominallohnsatzes (vgl. Felderer; Homburg, S. 242). Demzufolge sollten bei geringerer Arbeitslosigkeit die Nominallöhne der Arbeiter steigen und umgekehrt. Dies sei in der folgenden Graphik dargestellt, wobei wº/w die Änderungsrate des Nominallohnsatzes und U die Arbeitslosenrate beschreibt.
Abbildung: Die Phillipskurve nach A. W. Phillips (vgl. Felderer; Homburg, S. 243)
Im Laufe der Zeit wurden mehrfach Modifikationen an der Phillipskurve vorgenommen, so zum Beispiel im Jahre 1960 in einem Aufsatz von PAUL A. SAMUELSON und ROBERT M. SOLOW, die die Änderungsrate des Nominallohnsatzes durch die Inflationsrate ersetzten (vgl. Felderer; Homburg, S. 243) Diese Entwicklung war sehr bedeutsam, da nun anzunehmen war, dass eine geringere Arbeitslosigkeit nur mit einer Steigerung der Preise vereinbar ist. Dieser Zusammenhang wird auch als ein langfristiger trade-off (Patzig, S. 218) zwischen Arbeitslosigkeit und Inflationsrate bezeichnet. Steigt die Arbeitslosigkeit, so sinkt die Inflationsrate und umgekehrt. Trade-off heißt also, dass die beiden Faktoren sich gegenseitig in einem negativen Sinne beeinflussen.
Eine weitere und besonders wichtige Modifikation der Phillipskurve nahmen FRIEDMAN und PHELPS vor, die exogene beziehungsweise adaptive Erwartungen (s.u.) von Wirtschaftssubjekten mit in ihre Überlegungen einbezogen. Ihnen zufolge besteht kein dauerhafter, sondern nur ein vorübergehender trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit (vgl. Felderer; Homburg, S. 245), da die Wirtschaftssubjekte durch ihr rationales Handeln den Entscheidungen des Staates entgegenwirken können. Werden sie durch exogene Gegebenheiten (wie zum Beispiel gestiegene Preise) beeinflusst, können sie als Konsequenz ihre Erwartungen (in diesem Fall eine höhere Lohnforderung) kurzfristig anpassen. Dies verändert wiederum den Verlauf der Phillipskurve und revidiert staatliche Maßnahmen. Aus diesem Wirkungszusammenhang entstand letztendlich die These, „dass die Phillips-Kurve im langfristigen Gleichgewicht zu einer senkrechten Geraden im Phillips-Diagramm wird und dass die übliche Hyperbelform der Kurve nur in kurzfristigen Ungleichgewichtszuständen auftritt“ (Maneval, S. 158).
Die Phillipskurve und Erwartungen
Wie oben bereits erwähnt, können Erwartungen der einzelnen Wirtschaftssubjekte den Verlauf der Phillipskurve stark beeinflussen. Im Folgenden werde ich die für diese Thematik relevanten Kategorien von Erwartungen kurz erläutern.
Adaptive Erwartungen
Von adaptiven Erwartungen spricht man, wenn Wirtschaftssubjekte ihre Erwartungen an bereits in früheren Perioden gemachte Erfahrungen anpassen. Positive oder negative Erfahrungen in Bezug auf die Erfüllung ihrer Erwartungen tragen zu einer neuen, veränderten Erwartungsbildung bei. Die Wirtschaftssubjekte lernen aus ihren Fehlern und versuchen diese nun in ihrer neuen Erwartungsbildung zu korrigieren (vgl. Kromphardt, S. 163f.). Adaptive Erwartungen sind also abhängig von vergangenen Einflussfaktoren und spiegeln somit einen Lernprozess wider.
Rationale Erwartungen
MUTH prägte den Begriff der rationalen Erwartungsbildung. Er „geht von der plausiblen Vorstellung aus, dass die Wirtschaftssubjekte bei ihrer Erwartungsbildung ihre Informationen über ihnen relevant erscheinende Größen sowie über die ökonomische Umwelt, in der sie sich bewegen, berücksichtigen.“ (Kromphardt, S. 164) Es werden bei der Bildung rationaler Erwartungen also auch exogene Faktoren miteinbezogen. Des Weiteren sagen PALOVIITA und MAYES: „Rational expectations are normally expressed, however, in terms of the most up to date information.” (Paloviita; Mayes, S. 6)
Inflationserwartungen
„Das Bestreben der Wirtschaftseinheiten, reale Einbußen zu vermeiden, begründet die Bedeutung der Inflationserwartungen als erklärende Variable in einer Vielzahl ökonomischer Modellansätze.“ (Schlotthauer, S. 16) Auch das Modell der Phillipskurve steht unter dem Einfluss dieser Art von Erwartungen. In ihren Überlegungen zur Phillipskurve gingen FRIEDMAN und PHELPS davon aus, dass die Arbeitnehmer einer Geldillusion unterliegen. Dies bedeutet, „dass die Arbeitnehmer ihr Angebot und ihre Lohnforderungen am erwarteten Preisniveau ausrichten“ (Felderer; Homburg, S. 245), was gleichbedeutend mit der erwarteten Inflationsrate ist. Des Weiteren wird vorausgesetzt, dass Arbeitnehmer eine Steigerung des Preisniveaus erst zum Ende einer Periode realisieren, wogegen Unternehmen dies bereits zum Beginn einer Periode tun. Steigt nun das Preisniveau, steigt bei unverändertem Nominallohn auch die Arbeitsnachfrage der Unternehmen. Das Arbeitsangebot hingegen bleibt unverändert, da die Arbeitnehmer die Preisniveauerhöhung noch nicht realisiert haben. Durch eine Erweiterung der Geldmenge im Zusammenhang mit steigenden Preisen kann die Zentralbank nun also die Beschäftigung steigen lassen (vgl. Felderer; Homburg, S. 245). Geht man von adaptiven Erwartungen seitens der Arbeitnehmer aus, „passen [diese] ihre Erwartungen allmählich an die tatsächliche Inflationsrate an und fordern entsprechend höhere Lohnzuschläge zum Ausgleich des Kaufkraftverlustes.“ (Felderer; Homburg, S. 245) Der Reallohn steigt demzufolge an und bewirkt, dass der Beschäftigungsgrad wieder auf sein ursprüngliches Niveau sinkt. Führt die Zentralbank ihre expansive Geldpolitik fort, bleibt die Inflationsrate indes auf ihrem neuen, höheren Niveau (vgl. Felderer; Homburg, S. 246). Fasst man diese Vorgänge zusammen, hat sich die Beschäftigung letztendlich nicht verändert, jedoch ist die Inflationsrate gestiegen.
Dieser Zusammenhang erklärt noch einmal deutlich, dass der trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit tatsächlich nur kurzfristiger Natur sein kann, da die Arbeitnehmer sich gemäß ihrer adaptiven Erwartungshaltung nach kurzer Zeit an die aktuelle Wirtschaftslage anpassen.
Literaturverzeichnis
Felderer, B.; Homburg, S. (2005): Makroökonomik und neue Makroökonomik. 9. Aufl., Berlin, Heidelberg, New York.
Kromphardt, J. (1998): Arbeitslosigkeit und Inflation: Eine Einführung in die makroökonomischen Kontroversen. 2. Aufl., Göttingen.
Maneval, H. (1973): Die Phillips-Kurve: Empirische, theoretische und wirtschaftspolitische Aspekte. Tübingen.
Paloviita, M.; Mayes, D. (2004): The use of real-time information in Phillips curve relationships for the euro area. No 28/2004. Frankfurt am Main.
Patzig, W. (1990): Stagflation und Phillips-Kurve: Eine völlig neue Interpretation des alten Trade off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Freiburg.
Schlotthauer, K.-H. (1981): Inflationserwartungen: Wirtschaftspolitische Bedeutung, theoretische Erklärungsansätze und empirische Befunde. Hamburg.






