Portfolio

Aus Widawiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Im Bildungsbereich ist ein Portfolio eine Dokumentensammlung, in Form eines Ringbuches, eines Papierordners oder in digitaler Form, welches den Lernfortschritt des Dokumentensammlers (des Lernenden) meist über einen längeren Zeitraum belegen soll. Auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise dem Finanzwesen oder der Kunst wird der Bergriff Portfolio für eine Sammelmappe benutzt.

Inhaltsverzeichnis

Portfolioarbeit

Portfolios können im Bildungsbereich sehr unterschiedlich und vielfältig eingesetzt werden (Häcker, 2006), wie beispielsweise im Schulunterricht, in der betrieblichen Ausbildung oder in Referendariatszeiten. Es ist übertragbar auf fast alle Lernprozesse. Als Instrument für selbstreflektiertes Lernen wird in fachlich und chronologisch sortierter Form dokumentiert, welche Kompetenzen der Portfoliobearbeiter in einem bestimmten Zeitraum erworben hat und an welchen, Stellen es mögliche Schwächen gibt. Daraus kann von Pädagogen eine systematische und individuelle Lernstrategie entwickelt werden.

Eine Grundidee der Portfolioarbeit ist, dass der Lernende zu Beginn seiner Arbeit eigenständig Ziele definiert. Nach der Durchführung seiner Arbeit/ Aufgaben kommt es zur Reflexion der Vorgehensweise. Dabei ist wichtig, dass diese prozessorientiert abläuft. In erster Linie geht es also nicht um das Ergebnis, sondern um den Weg, wie das Ziel erreicht werden soll.

Dabei können folgende Leitfragen hilfreich sein:

  • Was habe ich getan?
  • Was habe ich gelernt?
  • Welche Konsequenzen ziehe ich daraus?

Bei langfristig angelegten Portfolios empfiehlt sich das anlegen von Kapiteln. Dadurch wird eine möglichst gute Übersicht gewährleistet, die bei einer späteren Reflexion und Beurteilung hilfreich ist.

Möglichkeiten einer Umsetzung

Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Portfolioarten, welche sich am jeweiligen Nutzen ausrichten sollten. Häufig auftretende Formen sind das Präsentations-/ Vorzeigeportfolio, das Entwicklungsportfolio, welches ähnlich eines Lerntagebuches den eigenen Fortschritt dokumentiert und das Prüfungs- oder Qualifizierungsportfolio, welches als Leistungs- und Anwesenheitsnachweis dienen kann. Auch besondere Unterformen, wie fächerübergreifende oder Themen erschließende Portfolio sind denkbar.

Unabhängig davon sollten folgende Elemente in der Konzeption einer Portfolioarbeit beachtet werden.

  • Portfolioaufgaben: diese sollten so formuliert werden, dass sie dem Bearbeiter selbst eine große Spanne von Handlungsmöglichkeiten überlassen. Zu eng gewählte Aufgaben schränken hierbei die Eigenverantwortung des Lernenden ein.
  • Selbsteinschätzung (Lernvereinbarungen und Ziele): Vor der Bearbeitung der Aufgaben sollten die Erwartungen des Lernenden niedergeschrieben werden (z.B."Ich erwarte neben dem Wissenszuwachs zum Thema X auch eine Verbesserung meiner Internetrecherchefähigkeiten"). Die schriftliche Festhaltung der Ziele und eines Zeitplanes hilft bei Bearbeitung und späterer Analyse. Vom Lernberater sollten diese auf Erreichbarkeit überprüft werden.
  • Rückmeldung und Lernberatung: Der Lernberater gibt zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt dem Bearbeiter eine Einschätzung. Dieser "Zwischenstopp" sollte spätestens bei zweidrittel der Bearbeitungszeit erfolgen.
  • Möglichkeiten der (Abschluss-) Präsentation: Auch hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die je nach den Anforderungen der Einzelsituation gewählt werden sollten. Sinnvoll erscheint hier, dass der Lernende die vergangene Arbeit zusammenfasst, sein Vorgehen erläutert und die inhaltlichen Ergebnisse präsentiert. Oft findet im Anschluss auch eine Bewertung durch den Berater statt.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Schüler lernen Eigenverantwortung, selbstständiges- und selbstorientiertes Arbeiten.
  • Durch selbständiges Vorgehen werden methodische Kompetenzen geschult (Wiedenhorn, 2006).
  • Hat der Lernende/ Schüler selbstständig die Wahl Ziele und Aufgaben zu definieren, verfällt dieser schwieriger in die reaktive Rolle des bewertet Werdenden. Durch eine freie Wahl bleibt ihm die Möglichkeit einer kompetenten Selbstdarstellung. Reaktantes Verhalten [1] kann vermieden werden.

Nachteile

  • Sehr zeitaufwändig sowohl in der Ausarbeitung als auch in der Vorbereitung und der laufenden Betreuung.
  • Der Lehrer/ Lernberater muss die Methode Portfolio verstanden haben um den Schülern/ Lernenden handlungsorientierte Hilfestellung geben zu können.
  • Externe Einführung der Methode bedarf einen enormen Erklärungsaufwand um nötige Motivation Bereitschaft zu sichern. Bei wenig Commitment besteht die Gefahr der Verpuffung der positiven Effekte der Portfolioarbeit.
  • Die Bewertung weicht auf Grund keiner direkten Vergleichsmöglichkeiten von der üblichen Vorgehensweise ab und muss daher auch vom Lehrer/ Beurteiler neu erlernt werden (Schwarz, 2008).

Quellen

  • Ilse Brunner, Thomas Häcker, und Felix Winter von Kallmeyer (2006): Das Handbuch Portfolioarbeit: Konzepte - Anregungen - Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung, Kallmeyer Verlag, ISBN: 978-3780049414
  • Thomas Wiedenhorn (2006): Das Portfoliokonzept in der Sekundarstufe, Verlag an der Ruhr, ISBN: 978-3834601520
  • Johanna Schwarz (2008): Portfolio im Unterricht: 13 Unterrichtseinheiten mit Portfolio, Kallmeyer Verlag, ISBN: 978-3780049124
  • Landesverordnung über die Ordnung des Vorbereitungsdienstes und die Zweiten Staatsprüfungen der Lehrkräfte (Ausbildungs- und Prüfungsordnung Lehrkräfte II - APO Lehrkräfte II) Stand: 22. Juni 2009
Persönliche Werkzeuge
Info

WidaWiki startete am 15. November 2005.


Aktuell 163 Artikel (Stand: 2011-12-13)