Sozialistische Planwirtschaft

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== Die Theorie der sozialistischen Planwirtschaft ==


Der Marxismus-Leninismus ist die gesellschaftstheoretische Grundlage dieser Wirtschaftsordnung. Die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus haben zwar kein detailliertes Programm einer sozialistischen Ordnung hinterlassen, dennoch liefern sie über die Kritik an der privat-marktwirtschaftlichen Ordnung die Basisbausteine der zentralwirtschaftlichen Verwaltungstheorie. Eine besondere Bedeutung kommt auch hier wieder den durch menschliche Arbeit geschaffenen Produktionsmit-teln zu. Privates Eigentum, so die Kritik am marktwirtschaftlichen System, birgt immer eine Form der ökonomischen Ausbeutung in sich, da die Klasse der Arbeiter kein Eigentum an der eigenen Arbeit besitzt, sondern in einer Abhängigkeit vom Kapitalisten arbeitet und lebt. Erst die Abschaffung des Privateigentums zugunsten des Gesellschaftseigentums schafft eine gerechte Gesellschaftsordnung und beugt einer Klassengesellschaft vor. Die Herstellung von Produktionsmitteln soll demnach so von oben gelenkt werden, dass ein Produkt bis hin zur Konsumreife verschiedene Produktionsstufen durchläuft und jeder Arbeiter nach seinen individuellen Ansprüchen und Fähigkeiten Teil des gesamten Produkts wird, welches schließlich Eigentum der gesamten Gesellschaft wird (vgl. Leipold 1989 S. 16F).

Diese Beseitigung des kapitalistischen Eigentums an Produktionsmitteln zugunsten der gesamten Gesellschaft führt zur Entstehung einer gesamtwirtschaftlichen Planung. Dadurch wird der Marktmechanismus der marktwirtschaftlichen Theorie außer Kraft gesetzt und durch eine Planung des gesamten Marktes ersetzt (vgl. Sik 1987 S.61).

Diese sinnvolle Koordination und Planung der zu schaffenden Produktionsmittel könne beim marktwirtschaftlichen Ansatz deswegen nicht erreicht werden, da die Herstellung von Produkten nur eines zum Ziel hat, einen möglichst hohen Gewinn. Dadurch werden in diesem System knappe Ressourcen sinnlos verschwendet und die tatsächlichen Bedürfnisse der Gesellschaft nicht gedeckt. Die eigentliche Grundidee der Marktwirtschaft, das Freiheit zu möglichst hohem Wohlstand führt, wird also durch die sozialisti-sche Theorie negiert, indem die Freiheit zu einer planlosen und willkürlichen Wirtschaft, sowie einer Zwei-Klassen Gesellschaft führt. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die bewusste Gestaltung der Wirtschaftsordnung ein Gegeneinander (Konkurrenzdenken) verhindert und somit der Kampf um das individuelle Dasein beseitigt wird. Hier erst beginnt die Freiheit im Staat, nach sozialistischem Ansatz, wenn jedes Mitglied durch seine Pflicht und sein Recht seinen Teil dazu beiträgt, die vorhandenen Ressourcen optimal für die Gesellschaftsbedürfnisse zu nutzen (vgl. Leipold 1989 S. 17FF).

Diese Theorie sieht, dargestellt als vereinfachtes Modell der Zentralen Planwirtschaft, folgendermaßen aus: Dem obersten politischen Führungsgremium unterstehen bestimmte Leitungsinstanzen, die wiederum die Kontrolle über die ausführenden Subjekte besitzen. Zu Beginn einer Planungsperiode verschafft sich die Zentrale einen umfassenden Überblick über die Ausgangssituation der Volkswirtschaft. Mit diesen Informationen als Grundlage formuliert die politische Zentrale neue Aktionsprogramme für die nächsten Perioden. Die Leitungsinstanzen bewerten diese und wählen schließlich einen verbindlichen Volkswirtschaftsplan aus, den die ausführenden Subjekte mit ihrer Arbeit umsetzen (vgl. Dobias 1977, S. 70).


Literaturverzeichnis

Dobias, P.: Theorie und Praxis der Planwirtschaft, 1. Auflage, Schöningh, Paderborn 1977

Sik, O.: Wirtschaftssysteme Vergleiche –Theorie -Kritik, Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 1987

Leipold, H.: Gesellschaftstheoretische Fundierung der Wirtschaftssysteme in: Hamel H.(Hrsg.): Soziale Marktwirtschaft – Sozialistische Planwirtschaft, 5. Auflage, Vahlen Verlag GmbH München, 1989

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