Wirtschaftsethik

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Der Begriff Ethik stammt aus dem Griechischen (Ethos = „gewöhnlicher Wohnort“, „Gewohnheit“, „Brauch“, „Sitte“). Neben den Menschenrechten als Grundlage ethischen Handelns spielt auch die Kritischen Distanz eine wichtige Rolle (Böckle, 1992). Der Begriff Wirtschaftsethik umfasst den Gegenstand der Ethik in einem ökonomischen Gesamtzusammenhang. Die Wirtschaftsethik bezieht sich also auf die moralischen Normen und Ideale in der modernen Wirtschaft und Gesellschaft (vgl. Homann, 1992). Besonders relevant ist heute die integrative Wirtschaftsethik (siehe Grafik). Diese unterscheidet zwischen zwei systematischen Aufgaben, nämlich (1) der Kritik an ökonomischen Gründen und Ökonomismus und (2) der Klärung der ethischen Aspekte einer sozioökonomischen Rationalität (Ulrich, 2007).

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Drei Annäherungen an die Wirtschaftsethik (eigene Darstellung in Anlehnung an Ulrich, 2007)

Begründer der Wirtschaftsethik

Ethik in der Antike

Bereits Sokrates (469-399 v.Chr.), Platon (428-348 v.Chr.) und Aristoteles (384-322 v.Chr.) verwendeten den Begriff „Ethik“. Sokrates beschäftigte sich in diesem Zusammenhang mit Sitten und Bräuchen und dem Begriff des „Guten“ in einem allgemeinen Zusammenhang. Aristoteles sagte, dass Ethos (Gewohnheit) das Streben der Menschen nach dem ist, was als „gut“ bzw. „richtig“ angesehen wird (vgl. Andersen, 2005). Er stellte in seiner bekannten Triade den Zusammenhang zwischen Ethik, Politik und Ökonomie fest (vgl. Andersen, 2005).

Utilitarismus

Der Utilitarismus beginnt mit Thomas Hobbes (1588-1679), nach welchem der Mensch die Freiheit besitzt, für sein eigenes Überleben und Wohl alles zu tun. Jeremy Bentham (1748-1832) begründet das „Greatest happiness principal“, nach dem der Mensch nach dem streben sollte, was das „größte Glück für die größte Anzahl an Menschen“ ist. Benthams Schüler John Stuart Mill (1806-1873) verbindet die Lehre vom freien Handel, mit dem Prinzip der persönlichen Freiheit. Mill war ein Anhänger der freien Marktwirtschaft, akzeptierte jedoch Interventionen z.B. Steuern auf Güter wie Alkohol, sofern diese im Sinne des Utilitarismus gerechtfertigt waren (vgl. Andersen, 2005; Klopfer, 2008).

Wirtschaftsethik nach Adam Smith (1723-1790)

Der Mitbegründer der modernen Wirtschaftswissenschaften, Adam Smith, sieht den Menschen als ein Individuum an, das sich, abgesehen von seinem wirtschaften aus Eigeninteresse, an moralischen und sozialen Werten orientiert. Zur übergeordneten Konfliktregulierung und Wahrung von Recht und Ordnung benötigt eine Gesellschaft soziale Verantwortung. Daher spielt nach Smith die Ethik in der Ökonomie eine tragende Rolle (vgl. Meyer-Faje/ Ulrich, 1991).

Immanuel Kant (1724-1804) und der Kategorische Imperativ

Der Kategorische Imperativ ist das durch Kant geprägte grundlegende Prinzip der Ethik. Er gilt als „Prüfstein moralischen Handelns“ und besagt „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785). Das bedeutet also, dass der Mensch nach allgemeinen moralischen Verpflichtungen handeln soll, innerhalb dieser Grenzen jedoch frei ist (Cornelius, 2010).

Unternehmensethik

Grundlagen

Die Unternehmensethik ist der Wirtschaftsethik untergeordnet. Bei der Wirtschaftsethik geht es um die Legitimation der sozialen Marktwirtschaft. Die Unternehmensethik drückt aus, dass diese Legitimation auch von dem Handeln der Unternehmen abhängt (vgl. Steinmann/ Löhr, 1991). Sie steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff „Corporate Social Responsibility“ („CSR“ =Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmensführung). CSR wurde von Managern und Unternehmern selbst entwickelt und wird gegenwärtig stark diskutiert (vgl. Steinmann/ Schreyögg, 2005). Unternehmen sind heute dazu verpflichtet, ihr wirtschaftliches Handeln unter der Befolgung von wirtschaftsethischen Richtlinien zu verantworten.

Im Zirkel der Unternehmensethik (siehe Grafik) zeigt sich, in welchen Bereichen des Unternehmens sich ethische Herausforderungen wiederfinden. Neben den ethischen Problemen, die durch Individuen und deren Bedürfnisse, Gier oder unternehmerische Unverfrorenheit herbeigeführt werden, existiert auch Fehlverhalten, das beispielsweise auf einer Unternehmenskultur basiert, die durch extremen Erfolgsdruck oder unangebrachte Überwachung geprägt ist (Mahoney, 1997).

Hierbei spielt auch der richtige Umgang mit vorhandenem Wissen eine Rolle. So kann es vorkommen, dass Individuen in einem Unternehmen Wissen aus wirtschaftlichen Gründen ignorieren. Hier können viele relevante Beispiele angeführt werden, bei denen häufig falsch mit wichtigen Informationen umgegangen wurde.


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Zirkel der Unternehmensethik (eigene Darstellung in Anlehnung an Mahoney, 1997)

Relevanz

Unternehmensethik steht vor allem wegen zahlreicher Korruptionsaffären und Skandale im Bild des öffentlichen Interesses (vgl. Ulrich, 2010). Siemens, Mannesmann, Arcandor oder auch Enron sind nur einige der Unternehmen, die durch ihr Handeln die Diskussionen um Ethik in Unternehmen neu entfacht haben. Auf den Skandal um den amerikanischen Energiekonzern Enron folgte die Gesetzgebung des Sarbanes-Oxley Act, kurz SOX (vgl. Beggs/ Dean, 2007). In Deutschland wird besonders auf Corporate Governance Wert gelegt. So sind börsennotierte Unternehmen verpflichtet, eine Entsprechenserklärung nach dem Deutschen Corporate Governance Kodex abzugeben. Der erste Kodex wurde 2002 verabschiedet (Deutscher Corporate Governance Kodex, 2010).

Auch Vorfälle wie die Katastrophe von Bhopal /Indien, bei der am 3. Dezember 1984 das Versagen zahlreicher Sicherheitssysteme in einem Werk von Union Carbide dazu führte, dass mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre entweichen konnten, zeigen die Relevanz des ethischen Verhaltens von Unternehmen. So hätte der Tod tausender von Menschen und zahlreiche Spätfolgen verhindert werden können, wenn das Unternehmen Informationen an die Bevölkerung weitergegeben hätte, die das notwendige Verhalten bei solchen Vorfällen vorgibt (Bhopal.org, [Online]).


Literatur

Andersen, S.: Einführung in die Ethik. 2. Auflage. Berlin: 2005.

Beggs, J.M./ Dean, K.L.: Legislated Ethics or Ethics Education?: Faculty Views in the Post Enron Era. In: Journal of Business Ethics. 71 (15-37) 2007.

Bhopla.org: What happened in Bhopal? [Online] http://bhopal.org/index.php?id=22 Zugriff am 21. Juni 2010.

Böckle, F. in: Homann, K. (Hrsg.): Aktuelle Probleme der Wirtschaftsethik. Berlin: 1992)

Cornelius, V.: Immanuel Kant und sein Kategorischer Imperativ. [Online] Verfügbar unter http://westliche-philosophie.suite101.de/article.cfm/immanuel-kant-und-sein-kategorischer-imperativ Zugriff am 21. Juni 2010.

Deutscher Corporate Governance Kodex. [Online] Verfügbar unter http://www.corporate-governance-code.de/ Zugriff am 15. Mai 2010.

Hormann, K. (Hrsg.): Aktuelle Probleme der Wirtschaftsethik. Berlin: 1992.

Kant, I.: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. 1785

Klopfer, M.: Ethik – Klassiker von Platon bis John Stuart Mill. Stuttgart: 2008.

Mahoney, J.: Mastering Management. Financial Times Pitman Publishing: 1997.

Meyer-Faje, A./ Ulrich, P. (Hrsg.).: Der andere Adam Smith. Bern: 1991.

Steinmann, H., Scheyögg, G.: Management – Grundlagen der Unternehmensführung: Konzepte – Funktionen – Fallstudien. 6. Auflage. Wiesbaden: 2005.

Ulrich, P. in: Zsolnai, L (Hrsg.): Ethics in the Economy. 3. Auflage. Bern: 2007.

Ulrich, P.: Grundwissen Unternehmensethik: Ein Arbeitsbuch von Andrea Clausen. In: Zeitschrift für Betriebswirtschaft. 80 (1) 2010.

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